VON LOHN UND LIEBE IN DER BUNDESREPUBLIK

82 min, 2025

© COPYRIGHT 2025 JULIUS SANDER MARX & SAMU MORYS CORNELISSEN

Nach einem Arbeitsunfall ist der Industriearbeiter Laurin Schlenker auf unbestimmte Zeit krank-geschrieben und sieht sich mit Fragen seines Selbst-wertes konfrontiert, den er zuvor stark über seine Produktivität in dem Automobilzulieferbetrieb definierte. Dieser Bruch in seinem Alltag offenbart Abhängigkeiten im Verhältnis zu seinem Partner, dem Filmregisseur Bruno Sturm, aus denen sich zu befreien, sie nicht in der Lage sind.

Drehbuch, Regie Montage
Samu Morys Cornelissen


Produktion
Julius Sander Marx

Bildgestaltung
Aurelia Langhanke
Laura Noemi Gulisano

Tongestaltung
Stella Ananiadi
Tim Helfenstein

Schauspielende
Sam Michelson
Samuel Simon
Béla Milan Uhrlau
Ipek Bayraktar

DIRECTORS NOTE

Wir leben in einem wirtschaftlichen System, das auf einer stetigen Steigerung der Produktivkräfte getrimmt ist und jeden von uns einer Sortierung nach Leistung hin unterwirft. Wie wirkt sich jetzt aber diese ökonomische Struktur auf unsere Beziehungen aus? Wie können wir lieben in einem System, das uns entfremdet und was passiert mit dem Menschen, wenn sein Wert durch die Arbeitskraft bestimmt wird? Diese Fragen konfrontieren mich in meinem eigenen Leben - in meiner Arbeit, sowie in meinen Beziehungen - immer wieder und motivierten mich dazu, sie zum Gegenstand eines Films zu machen.
Im Drehbuch verarbeitete ich sowohl Beobachtungen, die ich innerhalb meines Umfelds anstellte, als auch meine persönliche Lebenssituation; meinen ganz eigenen Bezug zu Produktivität, Queerness und Liebe. Erst nach Fertigstellung bemerkte ich, wie viel von mir selbst tatsächlich in diesem Film steckt, wie viele Brücken zwischen dem Leben der Protagonist*innen und meinem aufgestellt sind. Mein Ziel war es nun, aus genau diesem persönlichen Ausgangspunkt heraus eine Geschichte zu erzählen, die trotzdem universell geltend ist; also eine Geschichte, die sich so oder so ähnlich überall in der Bundesrepublik erzählen lassen würde. Daraus ergab sich für mich und das gesamte Team die große Herausforderung, eine Methodik zu entwickeln, aus der heraus sich die fiktive Handlung in eine allgemeingültige Kritik politischer Verhältnisse übersetzt.
Jede Entscheidung, die wir bei der Inszenierung trafen, musste daran gemessen werden, ob sie dem Publikum die Möglichkeit bietet, das Geschehen ihrem kritischen Urteil zu unterziehen. Der Stil des Films, mit seinen geringen Einstellungswechseln, der hohen Tiefenschärfe und der Verwendung von Verfremdungseffekten, ist Ergebnis dieser Methodik.
Heute, in Zeiten der Krisen und Katastrophen, ist es wichtiger denn je, das Selbstverständliche im Kapitalismus zu hinterfragen und als veränderbar erkennbar zu machen. Von Lohn und Liebe in der Bundesrepublik appelliert an die Aktivität des Publikums, denn kein Film, sondern nur die Menschen haben die Macht, diese Veränderung hervorzubringen. Schließlich ist das Selbstverständliche zwar veränderbar, die Veränderung aber noch lange nicht selbstverständlich.